Duschgel und Duschöl bei Neurodermitis

Von der Redaktion · So arbeiten wir · Aktualisiert am

Bei Neurodermitis ist ein rückfettendes Duschöl oder ein parfümfreies Syndet mit pH um 5,5 die beste Wahl. Dusche höchstens fünf Minuten bei lauwarmem Wasser (etwa 32 bis 35 Grad), tupfe die Haut nur ab und creme sie innerhalb von drei Minuten ein. Ein Duschprodukt kann die Krankheit nicht behandeln, aber es entscheidet mit, ob die Haut nach jeder Dusche gereizter ist als vorher.

Was bei Neurodermitis in der Haut passiert

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit einer gestörten Hautbarriere. Bei vielen Betroffenen ist das Eiweiß Filaggrin vermindert, das für den Zusammenhalt der Hornschicht und die Bildung natürlicher Feuchthaltefaktoren wichtig ist. Zudem enthält die Haut weniger Ceramide. Die Folge: Wasser geht leichter verloren, Reizstoffe und Allergene dringen leichter ein.

Hinzu kommt, dass atopische Haut häufig stärker mit dem Bakterium Staphylococcus aureus besiedelt ist, das Entzündungen fördern kann. Gleichzeitig ist die Haut so empfindlich, dass aggressive Reinigung mehr schadet als nützt. Duschen bewegt sich also in einem Spannungsfeld: sauber genug, um Keime, Schweiß und Cremereste zu entfernen – sanft genug, um die Barriere nicht weiter zu beschädigen.

Die Dusch-Regeln bei atopischer Haut

  1. Kurz: maximal fünf Minuten. Langes Einweichen quillt die Hornschicht auf und spült Feuchthaltefaktoren aus.
  2. Lauwarm: etwa 32 bis 35 Grad. Heißes Wasser fühlt sich bei Juckreiz kurz angenehm an, verstärkt ihn aber danach.
  3. Wenig Produkt: Nur dort reinigen, wo es nötig ist – Achseln, Leisten, Füße. Ekzemstellen nicht einschäumen.
  4. Kein Rubbeln: keine Bürsten, Luffas oder Peelings, auch nicht „sanfte“.
  5. Abtupfen: mit einem weichen Baumwollhandtuch, ohne Reiben.
  6. Sofort eincremen: Basispflege oder verordnete Creme innerhalb von drei Minuten auf die noch leicht feuchte Haut.

Viele Hautärzte empfehlen, nicht häufiger als einmal täglich zu duschen; an manchen Tagen reicht eine Teilwäsche. Die allgemeine Einordnung dazu findest du unter Wie oft duschen? und Richtig duschen.

Tipp: Schwitzen ist ein häufiger Auslöser für Juckreiz. Nach dem Sport lieber direkt kurz abduschen als den Schweiß antrocknen zu lassen – dann ganz ohne oder mit wenig Duschöl.

Duschöl oder Syndet: Was passt wann?

SituationEmpfehlungBegründung
Sehr trockene, schuppige Haut, WinterDuschölhoher Lipidanteil, kaum Entfettung
Ruhige Phase, Haut nur leicht trockenparfümfreies Syndet oder Waschcremesanft, wenig Rückstände unter der Pflege
Akuter Schub mit nässenden Stellennur Wasser, Vorgehen mit Hautarzt abstimmenoffene Haut verträgt kaum Tenside
Kinder mit NeurodermitisBadeöl oder Duschöl ohne Duftschützt die besonders dünne Hornschicht

Ein Duschöl besteht überwiegend aus Ölen mit einem kleinen Tensidanteil, der beim Kontakt mit Wasser emulgiert. Ein Teil des Öls bleibt auf der Haut. Ein Syndet reinigt etwas gründlicher, ist dabei aber auf den sauren Haut-pH eingestellt. Klassische Seife (pH 9 bis 10) ist bei Neurodermitis ungeeignet.

Worauf du im INCI achten solltest

Mineralöl (Paraffinum Liquidum) ist in medizinischen Duschölen verbreitet, weil es praktisch kein Allergierisiko hat. Ob Ceramide in einem Produkt, das nach Sekunden abgespült wird, viel ausrichten, ist offen – mehr dazu unter Ceramide im Duschgel.

Kinder mit Neurodermitis: Baden und Duschen

Neurodermitis beginnt häufig im Säuglings- oder Kleinkindalter. Babys und Kleinkinder werden meist gebadet statt geduscht, und zwei bis drei kurze Bäder pro Woche reichen in der Regel aus. Ein rückfettender Badezusatz ohne Duft ist dabei hilfreicher als klares Wasser allein, weil die kindliche Hornschicht besonders dünn ist und schnell austrocknet.

Achte darauf, dass das Badewasser nicht über 37 Grad liegt und das Bad nicht länger als zehn Minuten dauert. Danach das Kind in ein weiches Handtuch wickeln, abtupfen und sofort eincremen – am besten noch im warmen Badezimmer. Bei älteren Kindern, die schon duschen, gelten dieselben Regeln wie bei Erwachsenen. Weitere Hinweise zur Babyhaut findest du unter Baby-Duschgel und Babybad.

Bewährte Duschprodukte bei Neurodermitis

Speziell für atopische Haut

Eucerin AtopiControl Duschöl

Rückfettendes Duschöl aus der AtopiControl-Linie, die gezielt für Neurodermitis entwickelt wurde. Ohne Parfum, auch für Kinder geeignet laut Hersteller.

  • parfümfrei
  • hohe Rückfettung
  • Duschboden wird rutschig
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Duschöl mit Niacinamid

La Roche-Posay Lipikar Huile Lavante AP+

Waschöl für sehr trockene, zu Neurodermitis neigende Haut, ab dem Babyalter einsetzbar. Enthält Niacinamid und Sheabutter, hinterlässt einen leichten Pflegefilm.

  • für die ganze Familie
  • große Pumpflasche erhältlich
  • gehobenes Preissegment
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Mildes Duschöl

BIODERMA Atoderm Huile de douche

Duschöl mit hohem Pflanzenölanteil, das beim Kontakt mit Wasser leicht aufschäumt. Eignet sich für sehr trockene und atopische Haut in ruhigen wie trockenen Phasen.

  • angenehme milchige Textur
  • seifenfrei
  • leichter Ölfilm, nicht jedermanns Sache
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Seifenfrei, sparsam

Eubos Med Basis Pflege Waschöl

Seifenfreies Waschöl aus der Apotheke mit rückfettender Wirkung. Ergiebig, da schon kleine Mengen reichen, und für die tägliche Anwendung gedacht.

  • seifenfrei
  • sparsam in der Dosierung
  • wenig Schaum
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Wann zum Arzt? Bei nässenden, verkrusteten oder gelblich belegten Stellen (möglicher Hinweis auf eine bakterielle Infektion), bei schmerzhaften Bläschen (Verdacht auf Ekzema herpeticatum – das ist ein Notfall), bei Juckreiz, der den Schlaf stört, oder wenn Schübe trotz guter Basispflege häufiger werden, gehört die Behandlung in hautärztliche Hände. Ein Duschprodukt ersetzt keine Therapie mit entzündungshemmenden Cremes oder modernen Medikamenten.

Häufige Fragen

Ist Baden oder Duschen bei Neurodermitis besser?

Beides geht, solange es kurz und lauwarm bleibt. Ein Ölbad über zehn Minuten kann bei Kindern sinnvoll sein, weil die Haut viel Lipid aufnimmt. Bei Erwachsenen ist die kurze Dusche mit Duschöl im Alltag meist praktischer.

Helfen Bleichbäder bei Neurodermitis?

Stark verdünnte Bleichbäder werden in manchen Leitlinien bei häufigen Hautinfektionen erwähnt. Das gehört aber ausschließlich in ärztliche Anleitung, weil Konzentration und Häufigkeit genau stimmen müssen. Selbst experimentieren solltest du damit nicht.

Darf ich bei Neurodermitis antibakterielles Duschgel verwenden?

Davon raten die meisten Hautärzte ab, weil es die Hautflora und die Barriere zusätzlich stören kann. Antiseptische Waschungen werden nur gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt. Warum das so ist, erklärt antibakterielles Duschgel.

Ist Wasser mit hohem Kalkgehalt ein Problem?

Es gibt Hinweise, dass sehr hartes Wasser mit einem höheren Risiko für Neurodermitis-Beschwerden zusammenhängt. Ein seifenfreies Produkt und gründliches Eincremen sind die praktikabelsten Gegenmittel.

Kurz gesagt: Kurz, lauwarm, parfümfrei und rückfettend duschen, danach sofort eincremen. Medizinische Duschöle sind die sicherste Wahl, die eigentliche Behandlung bleibt aber Sache der Hautärztin oder des Hautarztes.

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