Hartes Wasser und die Haut

Von der Redaktion · So arbeiten wir · Aktualisiert am

Hartes Wasser enthält viel Calcium und Magnesium. Es ist nicht gesundheitsschädlich, kann aber die Haut stärker belasten: Die Mineralien reagieren mit Seife und manchen Tensiden zu Rückständen, die auf der Haut haften bleiben und reizen können. Studien bringen hartes Wasser vor allem mit einem höheren Risiko für Neurodermitis bei Kindern in Verbindung. Ein mildes Syndet, gründliches Abspülen und konsequentes Eincremen helfen mehr als die meisten Duschfilter.

Wie hart ist dein Wasser?

Die Wasserhärte wird in Deutschland meist in Grad deutscher Härte (°dH) angegeben. Das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz teilt sie in drei Bereiche ein:

Härtebereich°dHTypische Anzeichen im Bad
weichunter 8,4kaum Kalkflecken, Duschgel schäumt leicht
mittel8,4 bis 14gelegentliche Kalkränder an Armaturen
hartüber 14schnell weiße Flecken, verkalkter Duschkopf, stumpfe Glaswand

Den genauen Wert für deine Adresse veröffentlicht dein Wasserversorger, meist auf seiner Website oder in der Jahresabrechnung. In Österreich und der Schweiz gelten ähnliche Angaben, in der Schweiz wird oft in französischen Härtegraden (°fH) gemessen; 1 °dH entspricht etwa 1,8 °fH.

Was hartes Wasser mit der Haut macht

Kalkseifen und Tensidreste

Calcium- und Magnesium-Ionen reagieren mit klassischer Seife zu unlöslichen Kalkseifen. Du kennst sie als grauen Belag am Waschbecken. Auf der Haut bleibt ein ähnlicher, unsichtbarer Film zurück, der sich schwer abspülen lässt. Auch einige anionische Tenside, besonders Sodium Lauryl Sulfate, binden an Calcium und haften dann stärker an der Haut. Diese Rückstände können die Hornschicht reizen und das Spannen nach dem Duschen verstärken.

Hautbarriere und pH-Wert

Hartes Wasser hat oft einen leicht alkalischen pH-Wert. Zusammen mit Tensidresten kann es den pH-Wert der Hautoberfläche länger erhöhen, was die Reparatur der Barriere bremst. Warum der saure pH-Wert der Haut so wichtig ist, erklärt der Ratgeber Säureschutzmantel.

Was die Forschung zeigt

Mehrere Beobachtungsstudien aus Großbritannien, Spanien und Japan fanden in Regionen mit hartem Wasser häufiger Neurodermitis bei Kindern. Eine britische Studie zeigte zudem, dass hartes Wasser zusammen mit Tensiden bei Menschen mit bestimmten Veränderungen im Filaggrin-Gen die Barriere stärker schädigte. Die Gegenprobe ist allerdings ernüchternd: In der randomisierten SWET-Studie (Softened Water Eczema Trial, 2011) verbesserten Wasserenthärter das Ekzem bei Kindern im Vergleich zur Standardbehandlung nicht deutlich. Hartes Wasser ist also eher ein verstärkender Faktor als eine alleinige Ursache.

Typische Beschwerden und was dahintersteckt

BeschwerdeMöglicher Zusammenhang mit hartem WasserAndere häufige Ursachen
Spannen nach dem DuschenTensid- und Kalkseifenreste, Lipidverlustzu heißes Wasser, starkes Duschgel
JuckreizRückstände reizen die Hornschichttrockene Haut, Duftstoffe, Allergie
Stumpfes HautgefühlMineralfilm auf der HautRückfetter-Rückstände aus dem Duschgel
Stumpfe, schwer kämmbare HaareMineralablagerungen am Haarfehlender Conditioner, Haarschädigung
Verschlechterung von Neurodermitisverstärkender FaktorJahreszeit, Stress, Allergene

Wenn deine Haut nach dem Duschen spannt, prüfe zuerst die naheliegenden Ursachen. Eine Übersicht mit Soforthilfe steht unter Haut spannt nach dem Duschen. Bei Juckreiz hilft der Ratgeber Duschgel gegen Juckreiz.

Duschfilter und Enthärter realistisch bewertet

LösungWas sie kannWas sie nicht kann
Duschfilter mit Aktivkohle, KDF oder Vitamin CChlor und manche Gerüche reduzierenCalcium und Magnesium nennenswert entfernen; in Deutschland ist Leitungswasser meist ohnehin nicht oder kaum gechlort
Kalkschutz-Kartuschen am DuschkopfKalkablagerungen am Duschkopf eventuell verringernWasser wirklich enthärten; Wirkung von Herstellerangaben abhängig
Ionenaustauscher-Anlage im HausWasser tatsächlich enthärtengünstig sein; braucht Installation, Salz, Wartung; erhöht Natriumgehalt
Magnet- oder „physikalische“ Gerätelaut Herstellern Kalkstruktur verändernWirkung auf die Haut ist nicht belegt

Gut zu wissen: Filterkartuschen, die nicht rechtzeitig gewechselt werden, können selbst zur Brutstätte für Bakterien werden. Wer einen Duschfilter nutzt, hält sich unbedingt an die Wechselintervalle des Herstellers.

Was bei hartem Wasser wirklich hilft

Für Familien mit Kindern, die zu Neurodermitis neigen, sind kurze, lauwarme Bäder oder Duschen mit rückfettenden Produkten und anschließendem Eincremen die wichtigste Maßnahme. Details stehen im Ratgeber Duschgel bei Neurodermitis.

Wann zum Arzt: Wenn Juckreiz und Trockenheit trotz milder Produkte und konsequenter Pflege bleiben, sich Ekzeme bilden oder ein Kind nachts vor Juckreiz schlecht schläft, sollte eine Hautärztin oder ein Hautarzt die Ursache klären. Wasserhärte ist selten der alleinige Grund.

Häufige Fragen

Ist hartes Wasser ungesund?

Zum Trinken nicht, Calcium und Magnesium sind sogar wichtige Mineralstoffe. Für die Haut ist hartes Wasser eher ein Komfort- als ein Gesundheitsproblem, kann aber bestehende Hautprobleme verstärken.

Schäumt Duschgel bei hartem Wasser schlechter?

Ja, bei sehr hartem Wasser bildet sich oft weniger Schaum, weil ein Teil der Tenside mit den Mineralien reagiert. Das verleitet zum Überdosieren. Die Reinigungswirkung ist trotzdem gegeben, wenn du das Produkt in der Hand mit etwas Wasser aufschäumst.

Hilft es, sich mit Mineralwasser abzuspülen?

Stilles Wasser mit geringer Mineralisierung als letzte Spülung kann für das Gesicht angenehm sein, für den ganzen Körper ist das unpraktisch. Destilliertes Wasser ist dafür nicht nötig.

Lohnt sich eine Enthärtungsanlage für die Haut?

Für die Haut allein ist der Nutzen laut Studienlage begrenzt. Eine Anlage kann sich wegen Kalkschutz für Geräte und Leitungen lohnen, sollte aber fachgerecht installiert und gewartet werden.

Kurz gesagt: Hartes Wasser kann Tensid- und Kalkreste auf der Haut hinterlassen und Trockenheit sowie Neurodermitis verstärken. Duschfilter enthärten in der Regel nicht. Wirksamer sind mildes Syndet statt Seife, sparsame Dosierung, gründliches Abspülen und sofortiges Eincremen.